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OLDENBURGISCHES SCHLOSSORCHESTER
Auftritt voller Energie und Spielfreude

Von Andreas R. Schweiberer – 15.11.2022 – online Ausgabe der NWZ

Lange hatte das Oldenburgische Schlossorchester warten müssen, bis es wieder vor großem Publikum auftreten konnte. Und dem wurde dann auch einiges geboten.

Nach drei Jahren konnte das Oldenburgische Schlossorchester endlich wieder vor einem größeren Publikum zeigen, auf welchem technischen und künstlerischen Niveau es mittlerweile agiert. Das Herbstkonzert im historischen Ambiente des Schlosssaals wartete mit einem wirklich hörenswerten und klangschönen Programm auf.

Joseph Haydns 104. Sinfonie, seine letzte, trägt den Beinamen „London“, weil sie dort 1795 sehr erfolgreich uraufgeführt wurde. Eine der damaligen Konzertbesprechungen rühmte die Sinfonie in höchsten Tönen und wagte die Prognose, dass mindestens 50 Jahre lang kein Komponist auftreten werde, der etwas Gleichwertiges oder gar Besseres werde schaffen könne.

Überragende Sinfonien

Da das Herbstkonzert die letzte Sinfonie von Haydn und die erste Sinfonie von Beethoven aufeinander folgen ließ, konnte die entsprechende Prognose leicht widerlegt werden: Haydns Sinfonie wie auch die Sinfonien seines zeitweiligen Schülers Beethoven sind großartig und überragen alle anderen Sinfonien der Zeit. Das Oldenburgische Schlossorchester unter der Leitung von Johannes Birk war ein entsprechend guter und treuer Botschafter für diese nach wie vor beeindruckenden und mitreißenden Sinfonien. Wurde die Haydn-Sinfonie sehr engagiert, druckvoll und klangschön in ihrer Originalfassung zu Gehör gebracht – von einem vielköpfigen Ensemble von Streichern, Holzbläsern, Blechbläsern und Pauken –, so bestand der besondere Reiz beim Hören der 1. Sinfonie von Beethoven, dass hier ein zeitgenössisches Arrangement von Georg Schmitt als Harmoniemusik erklang. Harmoniemusiken, also Originalwerke und Arrangements nur für Bläser, waren damals sehr beliebt.

Die gelungene Interpretation durch die zwölf Holz- und Blechbläser des Orchesters offenbarte den ganz eigentümlichen Reiz solcher Arrangements: Sie wirken klangfarbenreich, volkstümlich und etwas rustikal. Zudem werden manche Strukturen des Werkes einfach besser hörbar, wenn die sonst dominierenden Streicher nicht vorhanden sind.

Dvorak-Suite

Abschließend, nach den gut einstudierten und lebendig und engagiert wiedergegebenen Sinfonien, erklang die „Böhmische Suite“ op. 39 von Antonin Dvorak. Diese fünf melodischen und schwungvollen Tanzsätze gerieten dem Laienorchester ganz besonders überzeugend. Die Energie und Spielfreude der sehr inspirierenden Interpretation schwappte sichtlich auf das Auditorium über. Das zweistündige Konzert endete darum auch mit stürmischem Beifall aus dem begeisterten Publikum.

NWZ, 15.11.2022

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